Die Farben des Sommers am Baikalsee


  

Eigentlich tut man dem Baikal unrecht, wenn man ihn als "See" bezeichnet.
Seine Dimensionen, seine biologische Vielfalt und vor allem sein unschätzbarer Wert für die Menschen um ihn herum und für die ganze Welt als wasserreichstes Süsswasser-Gewässer auf der Erde lassen ihn wie ein kleines Meer erscheinen.
Wer an seinem Ufer steht und auf die Wellen am Horizont blickt, wird sich sagen, dass ein See wahrhaftig etwas Anderes sein muss.
Und doch, ein merkwürdiges Gefühl, in einem "Meer" zu baden, dessen Wasser nicht salzig schmeckt und das man zudem trinken kann, als wenn es aus einer Quelle in einem Felsen sprudeln würde.
 


Wie der zerklüftete Rücken eines sterbenden Wales liegt die Insel Olchon im ruhigen Wasser des Baikalsees.
Auf der Westseite die sanften Hügel, die mit ihren Grassteppen eine Lanschaft bilden, die uns in eine andere, eine sinnliche Welt versetzt. An der Ostküste rauh und scharf in die Tiefe stürzende Felsen, die unter der Wasser- oberfläche in die Abgründe des Baikalsees führen und erst nach fast 1700 Metern am tiefsten Punkt enden.





 

 

         "Heiliges Meer",
                    "Mutter Baikal",
so oder ähnlich nennen die Ein- heimischen ihren See, und tatsächlich, sie veehren das graziös anmutende Binnengewässer wirklich wie ein Heiligtum und der Baikalsee spielt im religiösen und spirituellen Leben der Menschen eine grosse Rolle.
Wer hier aufgewachsen ist, weiss um den Wert des Schatzes Baikal, und die Menschen haben längst erkannt, dass sie diesen Schatz bewahren müssen und ihren Nachkommen und der ganzen Menschheit verpflichtet sind, das Wasser und das Leben im Baikalsee zu erhalten und zu schützen.

 

 


Das Spiel der Farben,
ein Türkis, das verzaubernd wirkt,
im Kontrast zum lebendigen Grün der Steppe,
die Insel Olchon bietet Gegensätze, die sich zu einem Kunstwerk ver- einen.
Die grösste Insel im Baikalsee, das religiöse Zentrum des Schamanen- glaubens der vergangenen Jahr- tausende bis in die Gegenwart.
Wer den Baikalsee besucht, sollte einen Ausflug zu den herrlichen Sandstränden, den majästetischen Felsen und Klippen und zu den Menschen dieser Insel nicht auslassen.





Malerische Buchten, unberührte Wälder und eine Pflanzenwelt, die an jedem Platz neue Wunder darbietet.
Der Baikalsee und seine Umgebung beher- bergen eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, die es nirgendwo sonst gibt und die teilweise phaszinierende biologische Zusammenhänge bilden.
Süsswasser-Robben, Ölfische und Riesen- Schwämme, die Vielfalt der Besonderheiten des Ökosystems Baikalsee ist gross und die Forscher aus aller Welt entdecken immer wieder Neues und Interessantes auf ihren Expeditionen und bei ihren Forschungs- projekten.



Schon die ersten Siedler am Baikalsee vor vielen tausend Jahren lebten im Einklang mit dem See und ernährten sich von ihm.
Die Fischerei ist auch heute noch in den ländlichen Gebieten um den See herum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sie gibt vielen Menschen Arbeit, die sie sonst auf andere Weise in ihrer Umgebung nicht finden könnten.
Es ist daher einfach zu verstehen, dass diesen Menschen die Erhaltung der natürlichen Funktion des Ökologischen Systems des Sees wichtig, ja sogar lebenserhaltend wichtig ist.

 



 

Viele Projekte und Massnahmen haben dazu geführt, dass sich am Baikalsee eine Art "sanfter Tourismus" entwickelt, wie man ihn heute z.B. am Mittelmeer nur mit grossen Schwierigkeiten etablieren könnte.
Eine konsequente Erziehung der Jugend und umfassende ökologische Bildungs- massnahmen für die Träger der tou- ristischen Einrichtungen führen dazu, dass den Besuchern eindrucksvoll die Besonderheit des Weltnaturerbes Baikal- see vermittelt wird.
Die Menschen leben mit ihren teilweise sehr einfachen Mitteln ein Miteinander mit der Natur vor, das für viele andere Kulturen ein Vorbild sein kann.



  © Photos: BaikalExpress Sibirienreisen
  © Texte:   Andreas Kiefer, 2001


  Auch im Winter ein grossartiges Erlebnis: 
Winterbilder

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