Kirgistan (Kirgisien)

   


Geographie / Klima:

Kirgistan liegt im Hochgebirge Tienschan, die höchsten Erhebungen erreichen 7.439 m und 7.134 m. Die Bevölkerung konzentriert sich in den Tälern um den See Issyk-Kul und im Ferganatal. Bis in eine Höhe von 1.500 m besteht das Land aus Wüste, die von Steppe abgelöst wird. Ab 4.000 m herrschen alpine Wiesen vor. In den Wäldern leben Reh, Bär, Marder, Wildschwein und Luchs.
Das Klima ist hochkontinental-trocken, es treten sehr starke Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter auf, die mittlere jährliche Amplitude beträgt 30 - 35 °C! Bedingt durch die großen Höhenunterschiede finden sich starke lokale Abweichungen, die Gipfellagen des Tienschan z.B. weisen polare Klimamerkmale auf, in 3.000 m ü. NN erreichen die Temperaturen auch im Sommer nicht mehr die 10 °C-Marke. Dagegen betragen die mittleren Julitemperaturen in den niedrigeren Bereichen 17 - 27 °C, mit Spitzenwerten bis über 40 °C. Die v.a. in den Hochtälern und Hochebenen sehr strengen Wintermonate bringen z.T. große Mengen von Schnee mit sich, was zu einem starken Ansteigen der Flusspegel in der Schmelzperiode führt. Im Südwesten (Ferganabecken) hat das Klima subtropischen Charakter.
 

Natur und Umwelt:

Die natürliche Vegetation der Vorgebirgsebenen sind natürliche Stein- und Halbwüsten, hangaufwärts schließen sich in fast allen Hanglagen Trockensteppen an. Die Zone zwischen 1.900 m und 3.200 m ist durch Kraut- und Wiesensteppen gekennzeichnet, sie stellen die artenreichsten Vegetationsgesellschaften im Tienschan dar. An den nördlichen Berghängen (zwischen 1.900 und 2.800 m) finden sich lockere Bestände der nur hier vorkommenden Tienschan-Fichte, die trockenen, warmen Südhänge dagegen sind häufig von lichten Wachholderhainen bewachsen. Eine Besonderheit sind die im südlichen Kirgistan vorkommenden Walnusswälder, diese Bestände sind die größten zusammenhängenden der Welt.
In den höheren Lagen (ab ca. 3.200 m) findet man noch subalpine und alpine Wiesen oder Matten, Hochgebirgs-Kältesteppen und Moore auf Dauerfrostboden sowie Polsterfluren.
Mehr als die Hälfte des Landes wird vom Naryn, dem wasserreichsten kirgisischen Fluss, entwässert. Dieser fließt im Ferganabecken mit dem anderen großen Strom Kirgistans, dem Kara-Darja zusammen und bildet dabei den Syr-Darja, welcher (nach dem Amu-Darja) der zweitgrößte Fluss Zentralasiens ist. Zahlreiche kleine und mittelgroße Flüsse entwässern dagegen das nördliche Kirgistan und versickern oder verdunsten in den Wüsten und Halbwüsten Kasachstans. Hier findet man auch den längsten Fluss des Landes, den Tschu (1.030 km), nach welchem der nördlichste Oblast Kirgistans benannt ist.
Die meisten Flüsse werden durch Schnee und Gletscher gespeist. Aufgrund der starken Gefälle (z.B. hat der Naryn ein Gefälle von 3 m pro km) und somit hohen Fließgeschwindigkeiten frieren sie aber nicht zu.
In Kirgistan existiert eine Vielzahl von Seen (ca. 300), wobei der mit Abstand größte unter ihnen der Issik Kul ("Heißer See") ist, er hat eine Wasserfläche von 6.236 qkm. Die Wasseroberfläche des Issik Kul liegt auf 1.609 m Meereshöhe, das macht ihn nach dem Titicaca-See zum zweitgrößten montanen See der Welt. Einen weiteren vorderen Platz nimmt er im weltweiten Vergleich der Tiefen von Seen ein, seine Tiefe beträgt 668 m, damit ist er der Vierttiefste der Erde.
Weitere bedeutende Seen sind der Toktogul-Stausee (Wassermenge: 19 Mrd. L.) am Naryn, der Song Kul auf 3.016 m Höhe und der Tschatyr-Kul in 3.530 m Höhe. Als der schönste See wird häufig der Sary Tschelek (1.925 m ü. NN) bezeichnet.
 

Bevölkerung:

Die Kirgisen gehören zu den Turkotataren und bekennen sich überwiegend zum sunnitischen Islam. Außerdem leben Russen, Tadschiken, Usbeken, Dungan, Ukrainer, Uiguren, Tataren und Angehörige weiterer Ethnien im Lande.
 

Wirtschaft und Verkehr:

In Kirgistan wird Bergbau betrieben. Das Land ist reich an Kohle, Erdöl und Erdgas. Das Schienennetz hat eine Länge von nur 370 km, daher spielt das Straßennetz die Hauptrolle. Auf dem See Issyk Kul besteht Schiffsverkehr.
 

Kultur:

Der wohl bekannteste kirgisische Autor ist der in russischer Sprache schreibende Tschingis Aitmatow. Sein erstes und bekanntestes Werk ist die später auch erfolgreich verfilmte Erzählung Dshamilja, eine in Kirgisistan spielende Liebesgeschichte aus dem Sommer des Kriegsjahres 1943, die Louis Aragon ins Französische übersetzt hat, und der in seinem Vorwort über sie schrieb: "Ich schwöre es, die schönste Liebesgeschichte der Welt". Hannes Wader ließ sich von ihr zu seinem Lied "Unten am Fluss" inspirieren.
In seinen Erzählungen spielen kirgisische Tradition und Kultur eine tragende Rolle. Den Kontrast zwischen dem harten, mit der Natur verbundenen Leben des ehemaligen Nomadenvolkes und dem Kolchosen-Alltag in der Sowjetunion unter Stalin, beschreibt Aitmatow gefühlvoll, poetisch und mit erzählerischer Kraft. In seinen neueren Werken kritisiert er konsequent die menschliche Ignoranz und die damit verbundene Zerstörung der Natur.
 

Verwaltung:

Die Republik ist in 8 Verwaltungsbereiche gegliedert, davon 7 Regionen ("Oblaste"): Tschui-Oblast, Issyk-Kul-Oblast, Talas-Oblast, Naryn-Oblast, Osch-Oblast, Dshalal-Abad-Oblast, Batken-Oblast und der Hauptstadtbereich Bischkek. Die Oblaste untergliedern sich wiederum in 39 Rajone (Landkreise). Bischkek ist in 4 Rajone untergliedert. Die Rajone wiederum untergliedern sich in insgesamt 429 Lokalverwaltungen = Gemeinden (Ail okmotu).
 

Politik & Recht:

Die Verfassung von 1993 ist an westlichen Vorbildern orientiert und sieht ein gewaltenteilendes Regierungssystem mit einer starken Stellung des Staatspräsidenten sowie eine weite Palette an Grundrechten vor. Durch Referenden zur Verfassungsänderung im Februar 1996 und Oktober 1998 wurde die ohnehin starke Stellung des Präsidenten zu Lasten des Parlaments weiter ausgebaut, der Trend zur autoritären Präsidialdemokratie bestätigt. Ein erneutes Verfassungsreferendum im Februar 2003 hat daran wenig geändert. Der Präsident kann das Parlament auflösen, er bestimmt den Regierungschef, die Minister, Richter und Gouverneure der Oblaste (vergleichbar mit Bundesländern). Die Exekutive besteht aus dem Regierungskabinett, den Ministerien und staatlichen Komitees, den administrativen Departments und der lokalen Administration.
Nach dem Wahlgesetz hat jeder kirgisische Bürger ungeachtet seiner Herkunft, Rasse, Geschlecht, Ethnie, religiösen oder politischen Überzeugungen ab 18 Jahren das Recht zu wählen und kann ab 25 Jahren selbst gewählt werden. Als erstes Land in der zentralasiatischen Region hat Kirgisistan im Dezember 2001 Wahlen auf Ebene der Lokalverwaltungen abgehalten.
Das Parlament - "Dschogorku Kenesch" - besteht aus zwei Kammern mit insgesamt 105 Sitzen, der ständig tagenden Gesetzgebenden Kammer (60 Sitze) und der Volkskammer (45 Sitze). Die Verfassungsänderung vom Februar 2003 hat wieder ein Einkammersystem mit 75 Abgeordneten eingeführt.
Im Februar 1995 wurde erstmals in der kirgisischen Geschichte in demokratischen Wahlen ein Parlament gewählt.

(Quellen: wikipedia, kyrgyzstan-digest, u.a.)


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